2. Internationale Adventure Park Congress – ein Erfahrungsbericht


Ende November fand eines der wichtigsten Event der Seilgartenbranche statt: der 2. International Adventure Park Congress (IAPC), organisiert von den Spitzenverbänden International Adventure Park Association (IAPA), Syndicat National des Exploitants de Parcours Aventure (SNEPA) und die Asociación Española de Parques de Aventura (AEPA) sowie der Fachzeitschrift Oben. Zu diesem Anlaß suchten wir Gastautoren, die über dieses Ereignis berichten. Walter Siebert war so freundlich, uns teilhaben zu lassen und uns über seine Erfahrungen und Eindrücke zu berichten. Viel Vergnügen beim Lesen.

Ein Gastbeitrag von Walter Siebert

Wenn sich die drei großen Adventure Park Verbände am gleichen Ort treffen, ist für interkulturellen Austausch gesorgt. Die IAPA, Snepa (französischer Verband), und der spanische Verband AEPA trafen sich in Lloret del Mar, das im winterlichen Tourismuskoma liegt und nur von bingospielenden Pensionisten bevölkert wird. Hier wirkten die outdoor-gewandeten Seilgärtner wie Exoten.
Der erste Eindruck war aber: „Bin ich hier auf der ERCA-Tagung?als ich von vielleicht 15 ERCA-Mitgliedern begrüßt wurde – und auch einen Small Talk mit dem Präsident der ERCA Nick Moriarty führen durfte.


Das änderte sich bald, und spätestens, als ich mit Richard Klajnscek, dem extra angereisten ACCT-Vertreter und Franco die Carlo, dem Vertreter des Italienischen Seilgartenverbands um Mitternacht zu einem Absacker zusammensaß, wurde mir die Vielfalt dieser Gruppe bewusst.

Ich finde es super, wie sich die Verbände immer mehr mit einander reden und sich austauschen, so wird nämlich die größte Hürde für wahre Kooperation überwunden – die Hürde des sich Fremdseins und der Glaube an die Andersartigkeit der Unbekannten.

Richard hatte ich 1993 beim ACCT Symposium kennengelernt, wo uns die gemeinsame Erarbeitung des ersten ACCT Standards verband. Nicht nur das:
Wir hatten viel Spaß, als wir draufkamen, dass ich den einzigen von ihm erbauten Ropes Course in Europa zertifiziert hatte, der im finstersten Transsilvanien versteckt liegt.
Der erste Tag war in erster Linie von Vereinsversammlungen geprägt. Viel habe ich nicht mitbekommen, nur: Die Snepa hat eine neue Führung …Ansonsten gab es viel Zeit und Raum zum Austausch unter Kollegen und Besichtigung der Messe.

Eindrucksvoll war der Ausstellerraum, der immer crowded war. Die meisten Aussteller waren begeistert.

Nicht zu übersehen, überhören und überspüren war ein Thema, das normalerweise unbemerkt von der Öffentlichkeit abgeht: Patentgeplänkel.
Ausgelöst durch ein „Warne-vor-Patentverletzungs-Schreiben“, das angesichts seiner raschen Verbreitung gut als offener Brief durchgehen würde, wurde klar, dass die First Movers keine Lust haben, den mühsam aufbereiteten Markt der smarten Systeme kampflos den Followern zu überlassen. Die Ähnlichkeit fällt schließlich sogar dem Laien auf.

Ein voller Erfolg war der Innovations Award. 20 Anträge waren eingereicht und angesichts der tollen Projekte, Produkte, „Investigation-“ und Designleistungen schien es unmöglich hier eine Entscheidung zu treffen.

Doch die durch Alex Klinger von der IAPA, Rainer Schmidt vom Magazin „oben“ und Mario Adell (der spanische Typ A Zertifizierer) hervorragend besetzte Jury, die ich leiten durfte, machte es möglich: Am Ende durfte ich feierlich die Gewinner präsentieren:

Die Mikadostäbe von Hochkant (Best Investigation), Cambiums Baumhäuser (Best Design), Andreas Duddas „Finde-Deinen-Hochseilgarten“ – Homepage (Best Project) und Bornacks getweezelter SSB-Karabiner (Best Product) hatten sich einstimmig durchgesetzt.
Kriterien waren z.B.:

  • Ist es eine Innovation, oder nur etwas, das es vor 20 Jahren schon gab, aber vergessen wurde?
  • Ist es nur eine Verbesserung oder wirklich etwas Neues?
  • Löst es wirklich ein Problem nachhaltig, oder erzeugt es 2 weitere Probleme?
  • Löst es ein Detail oder hat es auf viele Anwendungen positive Auswirkung?

Die Gewinner der AWARDS

[Anmerkung der Redaktion: Unser „Hochseilgarten Kletterwald Projekt“ hat diesen Award gewonnen?! Das rockt den Hamsterwald.  Demnächst folgt natürlich ein Artikel dazu. ]

Vorträge

Ach ja, Vorträge waren auch, hier möchte ich ein paar erwähnen:
Am zweiten Tag erfuhren wir über die geplanten Neuerungen in der Seilgartennorm (oh Mann, ich beneide die Jungs nicht, das muss diplomatische Schwerarbeit gewesen sein!). Wesentlich sind die (alten) Beaufsichtigungsstufen im Zusammengang mit (neuen) Sicherungssystemen. Es gibt nun – glaube ich – 5 Kategorien: von Schnappkarabinern über intelligente Systeme bis Schienensystemen, die in absteigender Folge weniger Beaufsichtigungsaufwand und Sicherheitsprozeduren erfordern.
Es gibt viele positive Nachrichten in der Norm: Stahlseile mit Fasereinlage sind endlich „legal“, die Hand-Press-Verbindungen geregelt, der funktionale Test Pflicht (der Inspektor muss rauf in die Bäume und klettern) und bei den Zip Lines gibt es auch bessere Regeln.
Spannend ist die „adult responsible person“: Man spart sich einen Instruktor, wenn man einem Erziehungsberechtigten (älter als 18) die Verantwortung über die kletternden Kinder überträgt. Wenn ich es richtig verstanden habe, kann ein 18jähriger mit seinem 8-jährigen Schwesterchen durch einen Schnappkarabinergesicherten Seilgarten klettern. Vielleicht habe ich es aber auch falsch verstanden. Ich bin in diesem Punkt nicht objektiv.

Vielleicht ist in dem Zusammenhang ein Vortrag über Unfälle bemerkenswert.
Mark da Costa, der Präsident der IAPA, hatte 20 Unfälle von den Betreibern dokumentiert (meistens nach Zeitungsberichten angerufen – oh, hmm,  ja, das ist bei uns passiert), als er von der BG (bei uns eventuell die AUVA) besucht wurde, die deswegen über die Unfälle Bescheid weiß, weil sie die Folgen zahlt:
400 Unfälle sind für die Jahresbilanz eindeutig zu viel und die Branche hat jetzt zu reagieren. Und als wäre die Dunkelziffer von 95 Prozent (!) nicht genug: Die 400 Unfälle betreffen nur die Angestellten, also Trainer und Errichter! Die Teilnehmer sind nicht registriert, und hier dürfte die Dunkelziffer noch höher sein. Und wir sprechen hier nicht von Blessuren – ich glaube mich daran zu erinnern, dass 4 Tote und 3 Querschnittslähmungen darunter sind. Ich kann Mark da Costa nur
unterstützen: Wir brauchen eine neue Kultur im Umgang mit Unfällen!

Tauschen wir uns aus und lassen wir die anderen durch unsere (Beinahe-)Unfälle lernen und uns auch ins Bewusstsen rufen, wie wichtig eine klare Supervision der Trainer und Teilnehmer ist. Seit Jahren propagiere ich das gleiche.

Im Anschluss seines Vortrages plädierte Mark, dass wir sofort  mit einem offeneren Umgang mit Unfällen anfangen und forderte das Publikum auf, einen Beginn zu setzen: Wer möchte hier von einem Hoppala berichten? Tja, das war ein bisserl ernüchternd: Außer Mark und mir, die von jeweils 2 Hoppalas berichteten, waren offensichtlich nur unfehlbare Leute im Raum.
Aber es war ein Beginn.

Interkulturellen Austausch

Zum Schluss, aber keineswegs unwichtig, möchte ich die gute Stimmung hervorheben, die diesen vielfältigen Multikulti / Multiphilosophie / Schnappkarabinerodersmartbelay / Helmodernicht-Haufen von ca. 300 Individuen aus sicher 10 Ländern verband. Es dominierte die Freundlichkeit, das Lächeln, an den Tischen konnte es vorkommen, dass man nicht wirklich miteinander reden konnte, und dennoch das Verbindende erlebte.

Zum Autor:

Walter Siebert – renommierter Hochseilgarten-Experte aus Wien – kennt wohl jeder in der Szene.

  • Über ein Viertel Jahrhundert Erfahrung mit Hochseilgärten.
  • allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger.
  • Seit 2008 unabhängige Inspektionsstelle Typ A gemäß ISO/IEC 17020 –  unabhängige Inspektor für die Erstabnahme von Hochseilgärten.
  • Bis Ende 2011: Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der ERCA / Mitglied der ERCA Sicherheitskommission / Österreich-Ländervertreter der ERCA / unabhängige ERCA-akkreditierte Inspektionsstelle.
  • Zahlreiche Publikationen

 

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