Die ERCA-Ausbildungen – Teil1/2: Übersicht der Ausbildungen der Klettergartenverbände

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Es bestehen offenbar – zumindest für viele Trainer in der Seilgartenszene  – Unklarheit, ja sogar Verwirrung bezüglich der verschiedenen Ausbildungsstrukturen beider Seilgartenverbände (ERCA und IAPA) sowie deren Begrifflichkeiten: Betreuer und Rettungstrainer, Prozessbegleiter, Ropes Courses Trainer, Sicherheitstrainer, Rigger, Seilgartentrainer, Seilgartenbauer … dann noch differenziert nach a) Adventure Parks b) klassische stationäre Ropes Courses c) temporäre Ropes Courses.
Um Ordnung und Übersicht in diese Komplexität zu bringen, baten wir beide Verbände, ihr jeweiliges Ausbildungssystem vorzustellen und jeweils ein erhellendes Interview mit uns zu führen. In Teil 1 hat Frank Schweinheim (ERCA), in Teil 2 Mark da Costa (IAPA) unsere Fragen beantwortet. Nun also:

Teil 1: Ein Interview mit Frank Schweinheim (ERCA e.V., General Manager)

Frank Schweinheim
(ERCA e.V., General Manager)

 Frank, kannst Du uns bitte einen Überblick über die ERCA-Ausbildungen geben?

Die ERCA unterscheidet die folgenden Funktionen:
Betreuer, Retter, Prozessbegleiter, Ausbilder und Lehrtrainer
.
Diese werden dann noch differenziert nach Abenteuer Parks, traditionelle Seilgärten und temporäre Seilgärten.
Eine grundsätzliche Unterscheidung im Ausbildungssystem der ERCA besteht zwischen den „zertifizierten Ausbildungen“ und den „Ausbildungen nach ERCA-Standard“.
ERCA – zertifizierte Ausbildungen werden ausschließlich von akkreditierten (von der ERCA geprüften) Ausbildungsstellen angeboten und von ERCA-zertifizierten Ausbildern durchgeführt. Demgegenüber sagt die Bezeichnung „Ausbildung nach ERCA-Standard“ aus, dass sich eine Ausbildungsstelle bei den Ausbildungskursen an die ERCA Standards hält.
Der früher für viele Qualifikationen verwendete Begriff „Trainer“ sollte im deutschsprachigen Raum nicht mehr verwendet werden, da dieser Begriff im englischen mit Ausbilder gleichgesetzt ist.

Die neuen Bezeichnungen werden im ERCA Ausbildungsplan 2013 veröffentlicht, der in Kürze erscheint.

 

Es gibt – anders als bei der IAPA – zertifizierte Ausbildungsunternehmen bei der Ausbildung. Warum?

Wir blicken in der ERCA auf eine lange Tradition zurück, in der autonome Mitglieder die Inhalte der ERCA Standards in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen haben. Schon um das Jahr 2000 wurden die allgemeinen Inhalte zum Thema Ausbildung in einem Standard zusammen gestellt. Die Arbeitsgruppe leiteten damals Bernd Rademächers und ich. Uns war damals schon klar, dass wir mit professionellen Ausbildern und Unternehmen zusammenarbeiteten, die selbständig im Markt miteinander konkurrierten und die mit Ausbildungen zu einem nicht unerheblichen Teil ihr Geld verdienten. Diese Grundlage eines Geschäftmodells wollten wir niemandem entziehen.

Bemerkenswert war bei den Ausbildungsfirmen und Ausbildern, das sie gerne bereit waren ihr Wissen zu teilen und mit uns an gemeinsamen Standards zu arbeiten, um die Qualität und Sicherheit auf Seilgärten zu sichern. Die Konkurrenz war nachrangig, der Austausch lag im Vordergrund.
Zu dieser Zeit zertifizierte oder akkreditierte die GRCA  nicht und ihre Mitglieder schrieben dies auch ganz bewusst in ihre Standards, deren Redakteur ich wurde. Wir haben dieses Leitbild auch in die ERCA übernommen bis sich der Bedarf an Zertifizierungen abzeichnete.
[Anmerkung der Redaktion: GRCA = „German Ropes Courses Association“ aus der 1998 die ERCA wurde].
Mit der Weitsicht der Gründungsmitglieder im Kopf sind wir in die Entwicklung der Zertifizierungssysteme gegangen.
Es ist eine unserer Stärken, das wir langfristig denken und arbeiten und flexible Systeme entwickeln.
Entsprechend haben wir beim Aufbau der ERCA Zertifzierungssysteme auch darauf geachtet, dass die Selbständigkeit der Ausbildungsunternehmen beibehalten wird, aber nun ein Element der unabhängigen Qualitätsprüfung entwickelt wird.
Bei der Entwicklung haben wir unsere Mitglieder mit einbezogen.Im Auftrag der Mitgliederversammlung wurden Expertengruppen gebildet, die vom Vorstand in einem aufwendigen Verfahren ausgewählt wurden. Diese Expertengruppen haben im ersten Schritt mitgeholfen, das Zertifizierungssystem zu entwickeln und dann haben sie sich gegenseitig in Peer-Reviews geprüft.
So wurden die ersten professionellen Inspektions- und Ausbildungsstellen in einem objektiven Verfahren zertifiziert.
Danach haben wir weitere qualitätssteigernde Entwicklungen vorgenommen. Darunter verschärfte Kontrollen (und Audits) bei Beschwerden, der Aufbau eines Lehrteams für Ausbildung und für Inspektion und das Angebot von Ausbilder- und Inspektorenkursen durch die ERCA.
Der letzte Schritt ist erfolgt, um mehr Kontrolle über die Qualität der Ausbilder und der Inspektoren zu gewährleisten. Es wurden immer mehr Ausbilder und Inspekteure, die für zertifizierte Stellen arbeiteten und es war nicht mehr gewährleistet, dass jeder Ausbilder oder Inspekteur die Qualität der ersten Experten hatte.

Wir hatten leider auch vereinzelte Beschwerden zu verzeichnen, die uns zu diesen Maßnahmen zwangen. Es wurde deutlich, das die Ausbildung und Prüfung von denen, die ausbilden oder inspizieren zentral von ERCA kontrolliert werden musste.
ERCA bildet deshalb heute Ausbilder und Inspekteure aus, während das eigentliche Geschäft, die Ausbildung von Betreuern und Rettern, bzw. die Inspektionen nach wie vor beim Anbieter dieser Dienstleistungen verbleibt.

 

Bitte sage uns etwas zu den Kosten der Ausbildung zum Betreuer, Retter, Ausbilder usw.?

Die Kosten für Betreuer- oder Retterkurse werden von den zertifizierten Ausbildungsstellen unabhängig festgelegt. Darauf hat ERCA keinen Einfluss, denn wir haben einen freien Markt mit strikten gesetzlichen Regelungen. Für die Ausstellung der Ausbildungszertifikate erheben wir eine Gebühr von 11 Euro bei der Ausbildungsstelle. Damit wird das ERCA Zertifizierungssystem zum Teil rückfinanziert.
Die Ausbilderkurse werden von ERCA organisiert und kosten rund 200 Euro pro Tag. Die Kosten passen wir fortlaufend an, so dass wir nachhaltig wirtschaften können. ERCA ist ein kleiner Verband mit beschränkten Ressourcen und in verschiedenen Bereichen muss noch investiert werden.

 

Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung bei einer ERCA-zertifizierten Ausbildungsstelle kann ich mich beispielsweise „ERCA-zertifizierter Retter“ nennen. Daneben existiert die Bezeichnung „Retter gemäß ERCA-Standards“. Worin besteht der Unterschied?

ERCA zertifizierte Retter sind durch eine von ERCA zertifizierte Ausbildungsstelle ausgebildet und geprüft worden. Sie können ein Zertifikat von ERCA vorweisen.
Im Gegensatz dazu darf jedes ERCA Mitglied behaupten, nach ERCA Standards auszubilden.
Die ERCA Mitglieder verpflichten sich beim Eintritt in den Verein, dies auch so zu tun. Diese Selbstverpflichtungserklärung ist bedeutsam und wir haben gute Erfahrungen damit gemacht.

Wenn eine Ausbildungsstelle einen Schritt weiter gehen möchte und sich zertifizieren lässt, dann wird sie von uns geprüft und darf nach erfolgreichem Abschluss der Prüfung ERCA Zertifikate für ihre Teilnehmer vergeben.

Alle Ausbilder, die für eine ERCA-zertifizierte Ausbildungsstelle arbeiten, müssen eine Ausbilderqualifikation vorweisen. Wir haben mittlerweile fast alle Ausbilder, die von den zertifizierten Stellen eingesetzt wurden, nachgeprüft.
So gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten für ERCA Mitglieder gut auszubilden – mit oder ohne Zertifizierung.

Ich habe alle ERCA – Ausbilderkurse in Deutschland betreut und bin sehr zufrieden mit dem Niveau der Kurse und begeistert von den neuen Ausbildern. Gleiches berichtet Steve Woods (ERCA – Director of Training) über die Kurse im Vereinigten Königreich. Es bildet sich momentan eine neue Gruppe von Ausbildern heraus, die einen intensiven Austausch in einer zentralen Ausbildungsstruktur genossen, schwierige Prüfungen bestanden und viele neuen Ideen für die Ausbildungen gesammelt haben.
Wir lernen von den Teilnehmern und diese profitieren vom Austausch unter sich und mit den Lehrtrainern. So hat die GRCA damals auch begonnen Fahrt aufzunehmen. Nun bilden sich die verschiedenen Systeme Ausbildung und Inspektion in der ERCA auf hohem Niveau heraus.

 Wer darf ausbilden?

Grundsätzlich definieren die ERCA Ausbilderstandards erst einmal die Voraussetzunge, wann ich ausbilden darf.  Diese sind auf der ERCA Seite auch so aufgeführt.
Wir sind mit diesem Thema aber sehr im Fluß und in Kürze erscheint der neue ERCA Ausbildungslehrplan und danach sollte der ERCA Standard auch angepasst werden, damit neue verwendete Begriffe und Qualifikationen eindeutig aufgeführt und beschrieben werden. Wir arbeiten daran.

 

Das Ausbildungssystem der ERCA hat sich in der Vergangenheit verändert – ebenso die Begrifflichkeiten? Wieso? Ich wurde z.Bsp. ausgebildet als „Technischer Sicherheitstrainer für Hochseilgärten gemäß ERCA-Standards“ und als „ERCA zertifizierter Temp. Ropes Courses Hochseilgartentrainer/erbauer“.
Wie nennt sich diese Qualifikation nun? Betreuer? Retter? Konstrukteur?

Ich finde es gut, das Du, Andreas, diese Fragen so stellst. Andere werden sich ähnliches fragen.
Die alten Trainer Bezeichnungen passten weder zur Adventure Park Branche noch zu den verwendeten Begriffen in der EN 15567. Außerdem steht der „deutsche“ Begriff Trainer (für Betreuer / Retter) in Konflikt mit der englischen Bedeutung Trainer für Ausbilder. Aus diesem Grunde hat man sich im Ausbildungslehrplan 2009 zur Einführung neuer Begriffe entschlossen, dem Betreuer und dem Retter.

Wir haben gerade wieder ein ganz wichtiges Meeting der Expertengruppe für Ausbildung in Köln gehabt. Der neue Lehrplan wurde dort erarbeitet und unter anderem wurde im Bereich der temporären Seilgärten der Begriff des Konstrukteurs definiert.
Der ERCA Ausbildungslehrplan 2013 wird damit deutliche Vereinfachungen in der Terminologie aufweisen und er wird damit wesentlich übersichtlicher.

Warum ist das so?
Die Berufsfelder Abenteuer Park, Traditionelle Seilgärten und Temporäre Seilgärten haben zu Beginn viel Wert auf eigenständige Konzeptionen ihrer Ausbildungsgänge gelegt. So gab es z.B. einen Retter im Abenteuer Park, einen Retter im traditionellen Seilgarten und einen Temporären Hochseilgartentrainer (welcher unter anderem in spezifischen Rettungen ausgebildet wurde).

Die Berufsgruppen wachsen nun im Bereich Ausbildung immer mehr zusammen. Die Expertengruppe hat nun nach mehrjährigem Austausch und stringenter Arbeit an den verschiedenen Lehrplänen immer mehr Gemeinsamkeiten festgestellt und beginnt damit immer effizientere Module zu stricken. Als Effekt wird die Ausbildungszeit dann reduziert werden können, wenn Doppelungen vorhanden sind.
Die ERCA Qualifikation Retter wird z.B. ab 2013 als allgemeiner Retter bezeichnet und für drei Berufsfelder in nur einem Kurs vermittelbar.

Darüber hinaus gibt es natürlich weiterhin spezifische Ausbildungsmodule entsprechend dem jeweiligen Berufsfeld. Und es gibt auch die Möglichkeit zu einem anlagen-spezifischen Retter.
Diese Optionen werden in Kürze vorgestellt und sie bieten besonders für kleine Anbieter eine sehr schöne Lösung, um passende Ausbildungen zu erhalten.

Werden die ERCA-„Trainer“ (Retter, Betreuer etc.)  regelmäßig geschult? Oder bleibe ich RC-Trainer mein Leben lang ohne Fortbildungen? Gibt es obligatorische Refreshkurse nach 3 Jahren?

Wie du anführst, gilt ein ERCA Zertifikat 3 Jahre und muss spätestens nach 6 Jahren durch eine Weiterbildung verlängert werden. Da halten wir uns an allgemeine Standards in der Weiterbildung. Das Refresher Modul haben wir ausführlich diskutiert und ihr findet im neuen Lehrplan entsprechende Informationen dazu.

 

Bekommen die ERCA-Trainer Ausweise?

Sie bekommen derzeit ein Zertifikat. Über die Möglichkeit eines Ausweises haben wir schon nachgedacht, aber noch nicht entschieden. Bisher haben wir kein Interesse der Ausgebildeten nach Ausweisen feststellen können. Im Bewerbungsprozess von Betreuern und Rettern scheinen die Zertifikate wichtiger zu sein.


Zur Rettung: Gibt es seitens der ERCA Vorgaben? Oder existieren innerhalb der angeschlossenen ERCA-Seilgärten mehrere Rettungsmöglichkeiten nebeneinander – also anlagenspezifische Rettungsvarianten je nach System?

Die Frage ist, wer überhaupt zu diesem Bereich Vorgaben macht.

In erster Linie ist hier der Gesetzgeber tätig gewesen, indem er allgemeine Anforderungen an das Arbeiten in der Höhe formuliert hat. Wir haben schon sehr früh verschiedene Rettungsmethoden praktiziert und weiterentwickelt.
Letztlich bestehen heute vielfältige Rettungsmethoden auf Seilgärten und der Betreiber muss im Einzelfall auf der Grundlage einer Risikobewertung entscheiden, welche Methode er für seine Elemente wählt.

 

In diesem Zusammenhang: Stimmt es, dass ERCA die „Doppelseiltechnik“ favorisiert? Wenn ja, warum?

Im Bereich der Rettung nimmt ERCA die folgenden Unterscheidungen vor:

  • Rettung im Ausbildungskurs vs. Rettung im Betrieb
  • Rettungsausbildung im zertifizierten Allgemeinen Retterkurs vs. Rettungsausbildung im anlagenspezifischen Kurs
  • Rettung als „häufige“ (geplante) Maßnahme vs. Rettung als sehr seltene Ausnahmeintervention.
  • Aktivrettung (Retter und zu rettende Person verlassen gemeinsam die Höhe) vs. Passivrettung (zu rettende Person verlässt alleine die Höhe)

Für das Zertifikat des „Allgemeinen Retters“ wird die Vermittlung und Prüfung der Aktivrettung mit räumlich getrennt redundantem Sicherungssystem vorgeschrieben. Das bedeutet, dass im Ausbildungskurs für diese Rettung ein zweites Sicherungsseil verwendet werden muss. Die Gründe dafür sind folgende:

  • Der zertifizierte allgemeine Retter soll über ein breites Fachwissen und entsprechende Techniken verfügen.
  • Bei verletzten Teilnehmern bringt die Aktivrettung medizinische Vorteile.
  • Die Rettung in Ausbildungskursen ist immer als geplante Aktion zu betrachten.

Im Betrieb des Seilgartens gibt es aber auch Situationen wie zum Beispiel das Ablassen von Teilnehmern, wo derartige Rettungen nicht erforderlich sind. Natürlich muss diese Entscheidung aufgrund einer fundierten Gefährdungsbeurteilung erfolgen.

 

 Sind die Ausbildungen und Ausbildungsstandards der IAPA und ERCA grundsätzlich verschieden oder gleich? Und werden die entsprechenden Ausbildungen (Betreuer, Retter, Trainer) der beiden Verbände wechselseitig anerkannt?

Leider können diese beiden Fragen derzeit nicht abschließend beantwortet werden, weil die IAPA die Verhandlungen bis auf Weiteres abgebrochen hat.

Wir haben dieses Jahr große Anstrengungen unternommen und vorübergehend auch Fortschritte erzielt, um eine vorläufige Anerkennung der Ausbildungen zu erreichen. Neben der gegenseitigen Anerkennung von Qualifikationen für eine Zeit von drei Jahren haben wir auch IAPA Vertreter zu einem Ausbilderkurs der ERCA eingeladen, um am Vergleich der Ausbildungsstandards zu arbeiten. Leider wurde diese Teilnahme von Seiten der IAPA kurzfristig abgesagt. So stehen diese Arbeiten zwischen den Experten noch aus.
Die ERCA ist aber grundsätzlich daran interessiert, die Ausbildungsgänge und Standards anzugleichen. Dazu bedarf es vor allem des Austausches und Zeit. Am Tisch kann man das nicht so gut erledigen, die Experten müssen sich auch im praktischen Rahmen austauschen und diskutieren. Ich hoffe, dass wir dafür bald wieder grünes Licht erhalten.

 

 Ich möchte Dir ein paar persönliche Fragen stellen.
Du bildest ja auch selber aus?  Was sind Deine kuriosesten oder denkwürdigsten Erlebnisse, an die Du dich erinnerst?

Ja, ich bilde im Klettersport bereits seit 1984 aus und habe seit 2000 viele Seilgarten-Mitarbeitende ausgebildet – vor allem im temporären Bereich und als Prozessbegleiter. Mein kuriosestes Erlebnis war meine eigene SeilgartenAusbildung. Ich kam als Dozent der Uni mit Schwerpunkt Sport – Didaktik zu meinem Ropes Course Trainer Zertifikat in 4 Tagen.
Dabei hatte ich aber an 2 Wochenenden mehr über Erlebnispädagogik und Verhalten von Leitern in der Praxis gelernt wie zuvor in meinem ganzen Studium.
Das hat mich berührt und die Ausbilder haben mich motiviert, im Seilgartenbereich im Verband mit zu arbeiten. Das habe ich getan und bin bis heute bei der ERCA geblieben. Kurios.

 

Du bist General Manager  der ERCA. In wie vielen der ERCA-Locations warst Du schon selber?

Haha, gute Frage. Wir hängen heut zu Tage mehr am Telefon als am Seil. Ich besuche im Jahr so durchschnittlich 40 bis 50 Seilgärten. Eigentlich sollte ich bei jedem Mitglied mal vorbeischauen und mir Zeit nehmen. Meistens schaue ich nur kurz vorbei und beobachte den Betrieb, um zu lernen, was es Neues gibt, ohne dass es den Betreibern überhaupt bewusst wird. Man sieht ja meistens nur seinen eigenen Betrieb. Oder wir führen Audits durch und konzentrieren uns mehr auf die Inspekteure und Ausbilder.

 

Kennst Du „Angst“ beim Klettern?

Die Frage passt auf mich ganz gut. Ich habe angstpsychologische Studien durchgeführt und ein Lehrbuch zum Sportklettern geschrieben. Ganz bestimmt, weil ich kein besonders mutiger Kletterer war. Da arbeitet man als Wettkampfsportler irgendwann daran – soweit möglich.
Aber auch wegen der Menschen, die ich zum Klettern gebracht habe.
Meine Aufmerksamkeit als Lehrer wurde immer von drei Aspekten besonders bestimmt.
– Wie kann ich etwas möglichst nachhaltig vermitteln?
– Wie spare ich Zeit?
– Wie gewährleiste ich den Lernerfolg?
Ein begrenzender Faktor war dabei immer die Angst und der Umgang mit dieser. Heute hilft mir das auch bei der Bewältigung unangenehmer Aufgaben im Verband.

 

Du hast das ERCA-Ausbildungssystem dargestellt. Das Ausbildungsschema der IAPA wird in den kommenden Tagen Mark da Costa an dieser Stelle erläutern. Und vielleicht ergeben sich daraus weitere Fragen. Wärst Du bereit, demnächst (zeitnah) ein weiteres Interview mit uns zu führen und die Fragen der Leserschaft  zu beantworten?

Wir werden bei der ERCA Konferenz versuchen, viele Fragen durch Präsentation und Gespräche zu klären. Und natürlich bin ich gerne bereit weitere Interviews zu geben, wenn dies gewünscht ist.

Vielen Dank.

Zur Person:
Frank Schweinheim
Geb. 1965
General Manager der ERCA und nebenberuflicher Trainer

Schulbildung / Ausbildung:

  • 1986-1992 Dipl. Sportlehrer Deutsche Sporthochschule Köln
  • 1992-2002 Dozent für Methodik und Didaktik (DSHS Köln)  / Forschung in verschiedenen Fachrichtungen Didaktik & Angstpsychologie

Beruflicher Werdegang:

  • 2001-2011 Vorstandsfunktionen in der ERCA: Kassenwart, 5 Jahre 2. Vorsitzender, 12 Jahre Redaktion, 9 Jahre Sicherheitskommission

 

Das Interview führte Andreas Dudda

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Kommentare

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Ein Gedanke zu „Die ERCA-Ausbildungen – Teil1/2: Übersicht der Ausbildungen der Klettergartenverbände

  1. Andreas Dudda Artikelautor

    Es gab eine Diskussion, dass die ERCA die „Rettung mit Doppelseiltechnik“ favorisiert

    Man muss besser sagen: redundante Rettungstechniken oder Rettung mit Redundanzseil.
    Gemeint sind unter dem offensichtlich missverständlichen Wort „Doppelseilrettung“ redundante Systeme, also zwei unabhängige Seile. Eines, wo der Retter dranhängt und/oder der Verunfallte, ein zweites, das unbelastet daneben hängt und wo z.B. ein ASAP mitläuft.

    Der Begriff „Doppelseiltechnik“ ist missverständlich, denn er ist fester Begriff ist in der SKT / Baumpflege.
    Das Seil hängt dabei im Doppelstrang (oben am Ankerpunkt läuft es durch eine Rolle), wobei das eine Ende am Gurt fixiert und das Andere mit einem ebendort fixiertem Klemmknoten verbunden wird – oder mit Geräten wie ART SpiderJAck der LockJack etc. .
    So klettere ich übrigens stets mit meinem Freund dem Baumpfleger – schöne Sache – sehr beweglich… aber eben etwas ganz anderes.

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