Zu den Fusionsplänen zwischen ERCA und IAPA. Zwangsheirat, Vernunftehe oder Liebesheirat

Ein Interview mit Nick Moriarty (1. Vorsitzender der ERCA)

Hallo Nick, schön dass Du Dir die Zeit nimmst, mit mir dieses Interview zu führen.

 

Zur Mitgliederbefragung

Jüngst gab es für ERCA-Mitglieder eine Online-Mitgliederbefragung zur Fusion von IAPA und ERCA.  Vertrittst Du die Auffassung, dass die Mitglieder bzgl. einer möglichen Fusion im Vorfeld ausreichend informiert wurden, um die gestellten Fragen auch hinreichend beantworten zu können?

Über die Hälfte der Mitglieder hat an der letzten Umfrage teilgenommen. Die Mehrheit der Mitglieder unterstützt die Vereinigung.  Bitte beachten Sie die Ergebnisse und meine begleitenden Kommentare.

Wenn man die gesamte Kommunikation, die den Mitgliedern über den Prozess zur Verfügung gestellt wurde, berücksichtigt (der erste Brief ist datiert auf den 15. September 2011), dann glaube ich, dass eine ausreichende Menge an Informationen zur Verfügung gestellt wurde und dass sich dies in der Umfrage widerspiegelt.  Dennoch glaube ich, dass die Mitglieder Fragen haben können und hoffe, dass diese bei der ERCA Mitglieder-Versammlung angesprochen werden können oder vorab, sollte jemand dies wünschen, per E-Mail an mich gesendet werden.

 

Vor- und Nachteile einer Fusion?

Bitte skizziere kurz die Vorteile und die erhofften Synergieeffekte, die die ERCA im Falle einer Fusion sieht.

Die folgenden Vorteile wurden von den Organen der ERCA und IAPA jeweils im Jahr 2011 erkannt:

  • Steigerung der Harmonie in der Branche
  • Verbesserung von Standards und Qualität durch den Austausch von Wissen
  • Bessere Nutzung von Ressourcen – insbesondere von Menschen
  • Steigerung des Stellenwerts der beiden Organisationen und eine größere Anerkennung, Glaubwürdigkeit und Autorität bei Gerichten, Behörden, Versicherungen, Normungsgremien und anderen Branchen
  • Es wird „eine Stimme“ für unsere Branche geben
  • Steigerung der Mitgliederzahlen
  • Hilfe, um eine Fragmentierung der Branche zu verhindern

Wann auch immer ich ERCA- und IAPA-Mitglieder zusammen beobachtet habe (in der Regel ein Bier trinkend), sind sie ohne Ausnahme eindeutig der Meinung, dass sich ihre jeweiligen Organisationen vereinen sollten.

Laut meiner Erfahrung ist die Effektivität und Glaubwürdigkeit geschwächt, wenn es zwei oder mehr Verbände (innerhalb einer Nation) gibt, die die gleiche Branche vertreten.  Unweigerlich ziehen Außenstehende den Schluss, dass ihre Unfähigkeit, Differenzen zum Nutzen der gesamten Branche beizulegen (je nachdem, um welche Branche es sich dreht), auf Eigeninteresse und Protektionismus gründet. Dies ist besonders häufig bei jungen Branchen der Fall.

Siehst Du auch mögliche Nachteile oder Gefahren?

Wenn es ein echtes Interesse unter den Mitgliedern gibt, einen Zusammenschluss zu begründen, dann glaube ich nicht, dass Risiken mit der Vereinigung verbunden sind.  Durch all die soeben genannten Gründe sehe ich nur Vorteile.

Besteht eigentlich ein äußerer (sachlicher, finanzieller) Zwang zu einer Fusion?

Nein, das ist nicht der Fall.

Was bedeutete eine Fusion konkret für uns Mitglieder?

Mehr Mitglieder, mehr Geld und eine größere Stimme in der Industrie. Mehr Glaubwürdigkeit und mehr Resourcen, dieses im wesentlichen?

Die IAPA bekundet, dass ihr Bestreben, einen neuen Verband aus  IAPA  und  ERCA  zu  bilden, von der Vorstellung motiviert sei,  aus beiden Verbänden die Stärken zu vereinen und die Schwächen auszugleichen.
Was sind die Stärken der ERCA und die der IAPA?

Die einfache Antwort ist: die Mitglieder.  Es sind die Mitglieder, die beide Verbände zu etwas Besonderem machen.

ERCA ist eine ältere Vereinigung und hat ihre Wurzeln in der Hochseilgarten-Branche.  Bildung, Persönlichkeit und Teamentwicklung sind es, die die meisten Betreiber eines traditionellen Seilgartens motiviert, jedoch umfasst der Begriff Seilgarten auch Abenteuerparks und alles, was unter selbige Definition fällt. Heutzutage hat die ERCA eine breite Mischung an Mitgliedern und ist dementsprechend wirklich repräsentativ für eine ganze Branche.  Der Verband ist sehr demokratisch und bedacht.  Anfangs war der Verband nur schwer zu verändern, aber die Mitgliedschaft bekommt eine höhere Bandbreite und dadurch wird der Verband dynamischer.

Abenteuerparks sind ausnahmslos Freizeitangebot-Einrichtungen.  Vereinfacht gesagt haben ihre Besitzer ein starkes kommerzielles Interesse, und die meisten könnten als Unternehmer angesehen werden.  Ich glaube, dass der Großteil der IAPA-Gründungsmitglieder kommerziell scharfsinnig und gut im Vermarkten ihrer Produkte ist.  Dementsprechend haben sie die Erwartung, dass ihr Verband sich, zum Vorteil der Mitglieder, selbst gut vermarkten kann.  Es besteht eine beträchtliche Fülle an Wissen unter den Mitgliedern, und dies würde für die gesamte Hochseilgarten-Branche von Nutzen sein, wenn die vorgeschlagene Vereinigung stattfindet.

 

Bedenken?

IAPA und ERCA bringen zwei unterschiedliche  Organisationskulturen mit.
Die Organisation der IAPA scheint mir darüber hinaus auch wesentlich schlanker zu sein.

Wird ein größerer Verband nicht zwangsläufig unflexibler, träger und bürokratischer?

Es ist sehr einfach, einen neuen Verband zu gründen!   Darüber hinaus ist es richtig, zu sagen, dass, wenn der Zweck eines Vereins darin besteht, Standards und ein „Zuhause“ für die Mitglieder zu bieten, die administrative Infrastruktur relativ klein bleiben kann.  So hat ERCA begonnen, aber mit dem Wachstum der Hochseilgarten-Branche gab es für die ERCA mehr zu tun.  Es begann mit der Zertifizierung von Trainern und hat sich seitdem zu einem umfassenden und hoch angesehenen Ausbildungssystem weiterentwickelt, inklusive der Ernennung von Master-Trainern, Ausbildern und der Qualifikation von Tausenden von Lehrern.  ERCA hat auch ein Team von hoch qualifizierten Typ-C-Inspektoren und ein Inspektionssystem, mit dem jährlich Hunderte von Hochseilgärten geprüft werden. Darüber hinaus gibt es die Verpflichtung zur Vertretung in nationalen und internationalen Gremien.

Wenn Ausbildung und Prüfungssysteme sinnvoll sein sollen, ist Qualität von größter Bedeutung.  Um die Qualität zu gewährleisten, ist eine angemessene Menge an administrativer Infrastruktur notwendig, und damit auch Kontrolle.  Unvermeidliche Kontrolle ist mit Kosten verbunden; diese müssen aber in Relation zu den Einnahmen stehen.  Ebenso muss darauf hingewiesen werden, dass der Änderungsprozess nicht einfach ist.  Niemand wird gerne kontrolliert, aber die überwiegende Mehrheit sieht die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Kontrolle und akzeptiert sie somit.  Eine kleine Minderheit findet Kontrolle unakzeptabel, sieht die Notwendigkeit nicht und verweigert diese. Dies ist in jeder Organisation oder Gesellschaft unvermeidbar.

Bei der Neugründung eines Verbandes gibt es den Vorteil, dass die Gründungsmitglieder in einer autokratischen Art und Weise handeln.  Autokratie ist langfristig jedoch nicht nachhaltig, und es muss einen Weg zur demokratischen Entscheidungsfindung geben.  Der Vorteil ist, dass jedes Mitglied ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht hat, auch wenn das bedeutet, dass die Entscheidungsfindung länger dauert, dafür aber besser durchdacht ist.  Wie bei den meisten Dingen im Leben ist Ausgewogenheit notwendig.
Der Verwaltungsaufwand und die Personalkosten der ERCA sind im Vergleich zur IAPA recht hoch. Im Falle einer Fusion wird das doch nicht besser, oder?

In vielerlei Hinsicht ist die IAPA auf demselben Stand, auf dem die ERCA vor 10 Jahren war.  ERCA hat heute eine wesentlich höhere Mitgliederzahl und, wie bereits erläutert, hat sie ein umfassendes Zertifizierungssystem für Ausbildung und Inspektion sowie eine Sicherheitskommission.  Dies bringt natürlich Kosten mit sich.  Wie bei den meisten Unternehmen dauert es mindestens 2 Jahre, um wirklich zu wachsen, und die ERCA zeigt jetzt, als Ergebnis unserer Bemühungen in Bezug auf Infrastruktur und Qualität, eine gesunde Finanzlage.  Wenn überhaupt, dann kann ich mir vorstellen, dass in Zukunft mehr Personal und mehr Ressourcen benötigt werden, um sich der steigenden Nachfrage anzupassen, aber dies sollte nur erfolgen, wenn das entsprechende Einkommen deutlich über den Kosten liegt!  Selbst diejenigen, denen die ERCA nicht immer gefiel, schätzen nun den Wert ihrer Systeme und ihre Infrastruktur.

 

In einem Interview in der Zeitschrift OBEN, Ausgabe 2012 / 4, sprachst Du davon, dass ERCA-Mitglieder sich in ihrem Denken, ihrer Mentalität und ihren Vorstellungen von denen der IAPA unterscheiden. Was sind das für Unterschiede?

Ich glaube, es gibt jetzt mehr Leute in der ERCA, die nun eine ähnliche Einstellung wie die Mitglieder der IAPA haben.  Zum Teil begründet sich dies in der höheren Anzahl der Mitglieder in der ERCA, welche Adventure Parks betreiben.  Ich habe bereits erläutert, wie die verschiedenen Ansätze zu Beginn der verschiedenen Kulturen waren, aber ein größerer Antrieb „Dinge zu machen“ kann nun die etablierten Unterschiede ausgleichen.


In diesem Zusammenhang: Kannst Du wechselseitige Vorurteile gegenüber den jeweils anderen Verband feststellen?

Teil meiner Rolle als Obmann der EN15567 ist es, die Interessen der Seilgarten-Betreiber, Bauherren und Inspektoren aus ganz Europa zu vereinen. Ich glaube, alle Experten aus dem CEN-Ausschuss betrachtet, gibt es nun eine harmonische, professionelle und sehr konstruktive Atmosphäre innerhalb der Gruppe.  Diese wurde mit der Zeit und mit dem Engagement der Experten, ihre Branche über sich selbst zu stellen, erreicht.  Wenn ich Mitglieder der IAPA und der ERCA zusammenarbeiten und abends zusammen ein Bier trinken sehe, lösen sich alle Vorurteile und Vorbehalte ohne Ausnahme schnell in Luft auf, und sie erkennen immer, dass sie Teil derselben Branche sind, mit denselben Bedürfnissen, Sorgen und Werten.

 

Die Hochzeit

Wird die Fusion eine Zwangsheirat, eine Vernunftehe oder eine Liebesbeziehung?

Es soll sicherlich keine Zwangsehe ein, da jedes Mitglied abstimmen kann, und es keinerlei Verpflichtung der Mitglieder gibt, gegen Ihren Willen zu stimmen.  Wenn sie nicht genügend Informationen haben, um eine Stimme abgeben zu können, können sie sich an mich wenden oder sich der Stimme enthalten.

Ich glaube, dass es im Endeffekt eine Vernunftheirat wird.  Innerhalb von 2 Jahren, glaube ich, wird es eine perfekte Ergänzung sein – im Himmel gemacht!
Oder als vierte Variante: Ist es für Dich auch vorstellbar, dass die beiden Verbände weiter ihre eigenen Wege gehen?

Absolut.  Dies muss als Option offen bleiben, bis beide Organisationen sich im Vertrauen darauf einlassen!

 

Grundbedingungen der IAPA

Die IAPA macht deutlich klar, dass eine Fusion von der Erfüllung der nachfolgenden Grundbedingungen abhängig ist.

  • Ein neuer Name für den neuen Vernband.
  • Gegenseitige Anerkennung  der  bisher  unterschiedlichen  Ausbildungsstandards, d.h. jeder der bisher ausgebildeten Trainer der IAPA wird ohne zusätzliche Prüfung  als  Trainer anerkannt.
  • Die Struktur des Boards (Vorstand) muss so gewählt sein, dass alle Bereiche des Verbandes vertreten sind und auch ein Stimmrecht haben

Ist es für die ERCA schwierig, diese Minimalbedingungen zu erfüllen?

Die ERCA kann die Mindestanforderungen ohne Schwierigkeiten erfüllen – es ist nur die Frage, ob sie dies auch tun wird. Unsere jüngste Umfrage zeigt, dass es machbar wäre.

Wurden diese zentralen Punkte zum heutigen Zeitpunkt ausreichend mit den ERCA-Mitgliedern kommuniziert und geklärt?

Ich glaube, die wichtigsten Punkte wurden gut kommuniziert, aber ich muss zugeben, dass die Möglichkeit zur offenen Diskussion schwierig ist.  Es gibt über 400 Mitglieder aus den unterschiedlichen Ländern, sodass sowohl Geografie als auch Sprache Herausforderungen darstellen.  Außerdem repräsentiert die ERCA die gesamte Branche (Lieferanten, Bauherren, Inspektoren, Trainer und Betreiber jeglicher Art von Hochseilgarten) und deren Ansichten sind sicherlich unterschiedlich.

 

Grundbedingungen der ERCA

Welche Grundbedingungen für die Fusion stellt die ERCA auf?

Im September 2011 haben die ERCA- und IAPA-Gremien den für beide Seiten akzeptablen Bedingungen zugestimmt.  Diese Bedingungen wurden den Mitgliedern beider Verbände im selben Monat mitgeteilt.

Aus meiner persönlichen Sicht ist es wichtig, dass die ERCA eine demokratische Gesellschaft bleibt, da dies am Besten dem Interesse der Branche entspricht.

 

Gleichberechtigung?

Die ERCA hat deutlich mehr Mitglieder als die IAPA. Werden die IAPA-Mitglieder gleichwohl als gleichberechtigte Partner betrachtet und behandelt oder geht es mehr in die Richtung „Der Große frisst den Kleinen“, so wie man es in der Wirtschaft zuweilen beobachtet?

Dies ist eine verständliche Sorge, aber es sollte klar sein, dass die ERCA jetzt mehr Adventure Park Betreiber als Betreiber anderer Arten von Hochseilgärten hat, und dass es in der ERCA mehr Adventure Park Besitzer als in der IAPA geben wird.

Obwohl dies noch ratifiziert werden muss, gibt es eine breite Unterstützung für die Erstellung klarer Sektoren innerhalb des Vereins in der ERCA.  Jeder Sektor wird einen anderen Teil der Branche repräsentieren, und es wird vorgeschlagen, dass jeder Sektor eine gleichberechtigte Vertretung im Gremium haben wird.

 

Zur Namensgebung:

Vordergründig erscheint eine Diskussion über einen neuen Namen vielleicht banal zu sein. Vielleicht steht hinter der Namensgebung aber doch auch mehr: Tradition, Identifizierung (Corporate Identity), Wiedererkennung …. Das sind aber nur meine persönlichen Vermutungen.

Was hältst du von dem Namensvorschlag „ERCA-IAPA“? Beide Verbände würde so kaum etwas aufgeben und das wäre vermutlich auch psychologisch ein gleichberechtigter Start.

Ich stimme zu, dass eine Namensänderung die einfachste Lösung wäre.  In der Praxis denke ich, dass es die größte Herausforderung wird – nicht zuletzt die Frage, wie der neue Name lauten könnte!

Aus IAPAs Sicht ist es verständlicherweise unakzeptabel, den Namen der ERCA anzunehmen. . Ein Name ist ein Synonym für Identität, und es kann schwierig sein, ihn aufzugeben.  Nichtsdestotrotz kann eine solche, wie die Geschichte zeigt, von Vorteil sein, und auch die größten und am besten etablierten Unternehmen können von einer Namensänderung profitieren.  Ich bin mir sicher, dass, wenn Unternehmen wie Blaupunkt, Adidas, Apple und Xeros ihren Namen ändern und gedeihen können – dann kann es auch die ERCA!

Die Namen ERCA und IAPA sind genaue Beschreibungen.  IAPA repräsentiert einen kleinen, aber wichtigen Teil der umfassenderen Hochseilgarten-Industrie.  ERCA repräsentiert die gesamte Branche.  Ich würde vorschlagen, der Begriff Ropes Course muss im Titel enthalten sein, aber die Mitglieder müssen sich für den Namen entscheiden.

 

Zum Scheitern der Verhandlungen:

Ende Oktober dieses Jahres hat die IAPA die Verhandlungen mit der ERCA über eine gemeinsame Zukunft als neuer Verband aufgegeben und als (vorerst) gescheitert erklärt.

Ein ERCA-Mitglied schreibt: Mich würden die wahren Gründe interessieren, warum es dort nicht weitergeht. Wer blockiert – warum?

 Ein weiteres Mitglied regt an: Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich die Mitglieder beider Verbände einmal gemeinsam treffen könnten, um sich kennen zu lernen und die Zusammenarbeit zu verbessern.

ERCA glaubt nicht, dass es jemals einen Abbruch der Verhandlungen gab.  Wahr ist allerdings, dass es Zeiten gegeben hat, in denen die Verhandlungen langsam voranschritten, und dies kann sehr frustrierend sein.  Es ist kein Geheimnis, dass beunruhigende Nachrichten auf der IAPA-Website veröffentlicht wurden, aber diese wurden entfernt, und es gibt einen echten Wunsch zur Fusion.

Der Vorschlag von einem Mitglied, dass die Mitglieder der ERCA und IAPA „sich zusammentun“ sollen, entspricht der Wirklichkeit.  In Wahrheit jedoch kann dies nur auf einer sinnvollen Ebene erreicht werden, wenn ein Zusammenschluss erfolgt und die gesamte Branche sich zusammentut.

 

Doppelseil-Rettung:

Ein ERCA-Mitglied möchte gerne von Dir wissen: Wie stehen die Verbände zur „2-Seil Rettung“?
Dies ist wahrscheinlich das am meisten missverstandene Thema der letzten drei Jahre.  Die ERCA Rettungs- und Ausbildungsexperten veröffentlichen bald einen umfassenden Bericht zu diesem Thema, und ich bin zuversichtlich, dass das die Gerüchte dann bereinigt werden!  Ich möchte ihrer Arbeit hier nicht vorgreifen.

 

Gute Verbandsarbeit

Was macht in Deinen Augen eine gute Verbandsarbeit aus?

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich richtig verstanden habe, was mit dieser Frage gemeint ist, daher kann es sein, dass ich sie völlig falsch interpretiert habe.   Es ist wichtig, zu erkennen, dass viele Beteiligten in der Hochseilgarten-Industrie (einschließlich ERCA) ein kommerzielles Interesse an unserer Branche haben.  Das ist keine Schande.  Jeder muss seinen Lebensunterhalt verdienen, und je mehr Leute dies mithilfe der Hochseilgarten-Industrie tun können, desto besser. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass, wenn die Menschen in der ERCA ehrenamtlich arbeiten, müssen sie ihre kommerziellen Interessen und Vorurteile zu Hause zu lassen und sich bemühen, für den Verein und seine Mitglieder zu arbeiten. Ich glaube, dass der derzeitige Vorstand der ERCA dies wunderbar macht, und ich bin stolz darauf, diesem anzugehören.

Gibt es innerhalb der ERCA da noch einen Verbesserungsbedarf?

Es wird immer Raum für Verbesserungen geben, und im Moment gibt es viel Platz nach Oben!  Verbesserung braucht Zeit und erfordert die richtigen Ressourcen.  Mit der Erhöhung der Mitgliederzahl des Verbandes erhöhen sich auch die Ressourcen.  Dies wird schneller passieren, wenn ERCA und IAPA fusionieren (wenn auch als eine neue Vereinigung).  In kurzer Zeit hat sich die ERCA von einer Organisation, die weitgehend auf Freiwillige angewiesen war, in eine Organisation gewandelt, die eine Reihe von Teilzeitkräften (alle arbeiten mehr Stunden, als sie ausbezahlt bekommen) beschäftigt und ein Team von Freiwilligen hat.

 

Zukunftsvisionen

Eine letzte Frage: Besteht Deine Vision darin, die europäischen Verbände (ERCA, IAPA, SNEPA, AEPA, Parchi Avventura Italiani etc.) zu vereinen?

[Anmerkung der Redaktion:
AEPA = „Asociación Española de Parques de Aventura“ = spanischer Seilgartenverband
SNEPA = „Syndicat National des Exploitants de Parcours Aventure“  ) französischer Seilgartenverband /
Parchi Avventura Italiani = italienischer Seilgartenverband ]

Definitiv nicht!  Meiner Meinung nach wird die Hochseilgarten-Branche am besten durch einen eigenen Verband in jedem Land repräsentiert.  In einigen Fällen kann ein Verband eine Reihe verschiedener Länder repräsentieren, wenn es den ausdrücklichen Wunsch unter den Mitgliedern gibt, dies zu tun.  Die ERCA ist ein sehr gutes Beispiel hierfür, da sie Englisch und Deutsch als „offizielle” Sprache hat.  Dies hat Vorteile, aber es erschwert die Verwaltung unvermeidbar, und für diejenigen, die nicht beide Sprachen fließend sprechen, können wichtige Bedeutungen in der Übersetzung verloren gehen.  Ich erwarte, dass die ERCA eine administrative „Zweigstelle“ in Großbritannien haben wird, da die Mitgliedschaft in Großbritannien steigt, aber ich hoffe, das wird immer ein Teil der ERCA bleiben.

Die ERCA und die ACCT haben letztes Jahr die Initiative ergriffen, die International Alliance of Ropes Course Associations (IARCA) zu bilden.  Die Absicht dieses Bündnisses ist es, starke Verbände in jedem Land zu fördern, während eine Reihe gemeinsamer Werte, Ethik und Ziele auf internationaler Ebene festgelegt werden.  Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass jedes Land seinen eigenen Verband hat, um sicherzustellen, dass seine nationalen Interessen bestmöglich geschützt bleiben.  Ebenso haben wir eine globale Industrie, und es ist wichtig, nicht isoliert zu arbeiten.

 

Das Interview wurde geführt von Andreas Dudda [Herausgeber des KLETTERGARTEN MAGAZINs]

 

Weiterführende Informationen und persönliche Informationen in Bezug auf Hochseilgärten zu Nick Moriarty

Nick Moriarty

  • 25 Jahre Erfahrung in der Outdoor-Branche einschließlich der Erfahrung im Outdoor Center Management, Chef-Ausbilder und als Outdoor-Center-Inspektor. Umfangreiche Erfahrung als  Segel-, Tauch-, Kletter- und Kajaklehrer sowie Ausbilder auf Hochseilgärten.
  •  Gerichtssachverständiger in Angelegenheiten im Zusammenhang mit Hochseilgärten und anderen Abenteuersportarten.
  • Gründer und Geschäftsführer von Ropes Course Developments Ltd (RCD). RCD hat über 1000 Hochseilgärten in 35 Ländern gebaut. Über 5000 Menschen wurden geschult, um Hochseilgärten von RCD zu betreiben. Mehr als 3 Millionen Menschen jährlich nutzen einen RCD-Hochseilgarten
  • 20 Jahre Erfahrung als Hochseilgarten-Baumeister, Designer, Inspektor und Trainer (Bearbeitung und Überprüfung der European Ropes Course Association, Inspektion und Schulungsunterlagen)
  • Eigentümer und Betreiber von Freizeit- und pädagogischen Hochseilgärten in Großbritannien
  • Präsident der European Ropes Course Association (ERCA)
  • Drahtseil-Prüfer und qualifiziert für industrielle Seizugangstechnik
  • Obmann des EN15567 für Hochseilgärten (Europäischer Hochseilgarten-Standard)
  • Beobachter und Berater in Bezug auf Hochseilgärten
  • Berater für die Health and Safety Executive (HSE) in Bezug auf Hochseilgartenbelange
  • Koordinator und Co-Autor des UK Ropes Course Guide – in Verbindung mit der HSE, Adventure Activity Industry Advisory Committee (AAIAC) und der Adventure Activities Licensing Authority (AALA)
  • Inspektor für das Vereinigte Königreich:  „Learning Outside the Classroom” (LOtC) Schema und Adventure Mark.
  • Präsentiert UK-Verbände und andere Gremien in Bezug auf Hochseilgärten.  Dazu gehören auch die Adventure Activity Licensing Authority, Association Heads of Outdoor Education Centres, Outdoor Advisors Panel, Association for Challenge Course Technology (USA) und die European Ropes Course Association

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